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  • stadtmahlzeit - Zweites Treffen

Rund 16 Personen aus verschiedensten Bereichen sind unserer Einladung gefolgt und haben ihre Aktivitäten und Fragen im Bereich Flucht und Migration vernetzt – bei einem informellen Mittagessen im Büro der Nachbarschaften - am Mittwoch 9. Dezember. Danke für die wichtigen Informationen, Denkanstöße und mitgebrachtes Brot und Obst!

Zwei Herren aus den Bereichen Unterbringung und Integration der Caritas berichteten vom großartigen freiwilligen Engagement der steirischen BürgerInnen, das jedoch auch entsprechend organisiert und begleitet werden muss. Sie informierten weiter über Rahmenbedingungen von Unterbringung und Integration und den damit verbundenen Schwierigkeiten und Erfolgen. Besonders problematisch sind demnach nicht die Unterbringung in Notunterkünften oder die Unterbringung im Flüchtlingsquartier während des Asylverfahrens, sondern die Übergänge zwischen diesen bzw. vor allem die Wohnungssuche für jene Menschen, die innerhalb von 4 Monaten ab Zustellung des positiven Asylbescheids aus dem Flüchtlingsquartier in eine reguläre Wohnung ausziehen müssen. Während der „freie Markt“ nicht nur für Flüchtlinge zu teuer ist, stehen ihnen bei Genossenschaftswohnungen strukturelle Hürden im Weg – z.B. ein Nachweis über ein ausreichendes Familieneinkommen während der letzten 3 Monate. Da Flüchtlinge aber während des Asylwerber-Status nicht arbeiten dürfen, ist dies faktisch ein Ausschlusskriterium aus dem Gemeinnützigen Wohnbau.

Eva-Maria Kehrer berichtete von der Initiative Flüchtlinge Willkommen, die im sogenannten Privatverzug private Unterkünfte für Flüchtlinge organisieren und in rund 150 Vermittlungen bereits Großartiges geschafft haben! Wie sie berichteten auch weitere Teilnehmer davon, dass ein großes Angebot privater Unterkünfte nur gering genutzt werde bzw. es große strukturelle/rechtliche Hürden gäbe. Resümee: „Die Bestimmungen und Strukturen hinken den raschen Veränderungen, informellen Lösungsmöglichkeiten und akuten Notwendigkeiten hinterher“.

Berichtet wurde auch von interessanten Projekten, die temporäre Unterbringungsmodule für Flüchtlinge auf Brach- bzw. (urbanen) Entwicklungsflächen bauen (wollen), die in nachfolgende soziale Wohnbauten integriert werden sollten und damit in vielerlei Hinsicht nachhaltig wären.

Im Gespräch rund um beispielhafte bestehende Projekte wie das Magdas in Wien oder das Grandhotel Cosmopolis in Augsburg wurde deutlich, dass es dazu neben der mutigen Kooperation über institutionelle und Zuständigkeits-Grenzen hinweg Investoren braucht, die ein solches Vorhaben mutig unterstützen und z.B. Ausfallshaftungen übernehmen. Solche verschränkenden integrierenden Projekte sind aber jedenfalls notwendig auf dem Weg zu einer integrierten lebendigen Nachbarschaft.

Elisabeth Fiedler vom Universalmuseum Joanneum/KiöR berichtete von der Betroffenheit von Kunstschaffenden über die aktuelle Flüchtlingssituation und von Fragen nach Aufgaben und Möglichkeiten der Kunst in diesem Rahmen, insbesondere was den Öffentlichen Raum betrifft.

Berichtet wurde auch von Stigmatisierung Geflüchteter als „Wertminderung“ in gemischten Eigentumsverhältnissen von ländlichen Siedlungen in der Steiermark. Hier gibt es noch viel Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit zu tun.

Das Servicebüro Zusammen>wohnen< greift Anliegen und Fragen der Gemeinnützigen Wohnbauträger auf bzw. entwickelt Angebote für eine gute Nachbarschaft. Das betrifft natürlich auch Mieter mit Migrations- bzw. Fluchthintergrund.

Der Verein Funkfeuer berichtete von seinen Tätigkeiten gegen den Digital Divide – Anbindung von Flüchtlingsquartieren an das dezentrale Funkfeuer-Netzwerk und von positiven Erfahrungen mit Flüchtlingsquartieren in der privaten Nachbarschaft. Herwig Wagner berichtete darüber hinaus von den Initiativen der Evangelischen Pfarrgemeinde Kreuzkirche in Graz Lend, der Volksgartendrehscheibe und dem Community Policing.

Drei KollegInnen aus dem Sozialraum 2 brachten Neugierde für das Thema mit, auch wenn Flüchtlinge und deren komplexe Schwierigkeiten in der Kinder- und Jugendwohlfahrt erst „langsam ankommen“. Die KollegInnen vom StadtLABOR Graz berichteten auch von den Aktivitäten zum Thema, u.a. im Büro der Nachbarschaften.

Ergebnis waren einige wichtige neue direkte Kontakte, etwas Entmutigung über strukturelle/rechtliche Hürden und der gemeinsam festgestellte Bedarf richtungsweisende Leuchtturm-Projekte zu schaffen – für die es eben dieser ungewöhnlichen Kooperationen bedarf um vorhandene Ressourcen zu verschränken und zu nutzen. Offen blieb dennoch der nächste Schritt um in eine rasche Umsetzung eines Pilotprojektes zu gelangen. Hier wollen wir gemeinsam dranbleiben!